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Ungewollt schwanger

"Wie kann es heutzutage überhaupt noch passieren, dass eine Frau ungewollt schwanger wird, obwohl es doch wirksame Verhütungsmittel gibt?" fragen sich viele Außenstehende. Eine ungewollte Schwangerschaft kann aber auch passieren, wenn Verhütungsmethoden angewandt werden. Denn keine ist hundertprozentig sicher. Ein Kondom kann abrutschen, eine Spirale versagen. Auch die Pille kann einmal nicht zuverlässig wirken, obwohl sie regelmäßig eingenommen wird. Manche Frau in den Wechseljahren hält sich zu früh für unfruchtbar. Immer noch hält sich der falsche Glaube, dass eine stillende Frau nicht schwanger werden kann. Und auch beim „ersten Mal“ kann eine Frau oder ein Mädchen schwanger werden. Eine spontane und unüberlegte Leidenschaft kann dazu verleiten, nicht über Verhütung nachzudenken. Auch die „natürliche Verhütungsmethode“ ist nicht zuverlässig. Manchmal führt die Unkenntnis darüber, wie lange männliches Sperma haltbar ist, zu falschen Berechnungen der nicht fruchtbaren Phasen der Frau.

Wie kann ich herausfinden, ob ich tatsächlich schwanger bin?
Wer hilft mir weiter, wenn ich ungewollt schwanger bin?
Was muss ich beachten, wenn ich einen Schwangerschaftsabbruch wünsche?
Was ist eine Schwangerschaftskonfliktberatung?

Wie kann ich herausfinden, ob ich tatsächlich schwanger bin?

Am besten machen Sie erst einmal einen Schwangerschaftstest zuhause. Sie bekommen ihn in jeder Apotheke, manchmal auch in Drogeriemärkten. Bei einem solchen Schwangerschaftstest können Sie mit Hilfe Ihres Urins testen, ob eine Schwangerschaft bei Ihnen vorliegt. Wenn Sie auf dem Teststreifen ein positives Ergebnis sehen, können Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Sie schwanger sind.

Endgültige Gewissheit bringt aber nur ein Besuch bei ihrem Frauenarzt oder ihrer Frauenärztin. In der Regel kann er oder sie bei einem Ultraschall der Gebärmutter auch schon feststellen, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist, d.h. in welcher Schwangerschaftswoche Sie sich befinden.

Wer hilft mir weiter, wenn ich ungewollt schwanger bin?

Für eine Frau, die gerade von ihrer Schwangerschaft erfahren hat, ist der Mann, von dem sie schwanger ist, meistens der wichtigste Gesprächspartner. Aus verschiedenen Gründen kann es jedoch sein, dass ein Gespräch zwischen ihr und dem betroffenen Mann nicht zustande kommt, manchmal möchte dieser nicht darüber reden, ist nicht auffindbar oder drängt zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Vielleicht haben Sie verständnisvolle Eltern oder Freunde, die Ihnen in der jetzigen Situation beistehen können und Sie auch beraten können. Schon ein Gespräch mit vertrauten Personen kann eine enorme Erleichterung bringen. Auch die Hausärztin, der Hausarzt, die Frauenärztin, der Frauenarzt oder eine Telefonseelsorge können Ansprechpartner in Ihrer jetzigen Situation sein.

Damit Ihr Schrecken, Ihre Sorgen und Ihre Ängste Sie nicht blind machen für Perspektiven und Hilfen in Ihrem Fall, sollten Sie auf jeden Fall eine Schwangerschaftsberatungsstelle aufsuchen. Hier bekommen Sie, wenn Sie es wünschen auch anonym zunächst mal ein offenes Ohr für Ihre Sorgen. Die ausführliche und umfassende Beratung ist kostenlos, und die Mitarbeiter einer anerkannten Beratungsstelle sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Die Berater besprechen mit Ihnen, was die Geburt des Kindes für alle Beteiligten bedeuten würde, was es zum Beispiel heißt, z.B. eine alleinerziehende Mutter zu sein und welche staatlichen Hilfen es gibt. Man informiert Sie über praktische Hilfen und Organisationen, die sich der Hilfe von Mutter und Kind verschrieben haben, wie beispielsweise die „Landesstiftung für Mutter und Kind“. In der Beratung können Sie u.a. erfragen, wie Sie trotz der Schwangerschaft eine Ausbildung fortsetzen können, wie sie eine geeignete Wohnung finden und das Kind später betreuen lassen können.

Man wird Sie in jedem Fall ermutigen, das Kind auszutragen. Wenn Sie sich auf gar keinen Fall in der Lage fühlen, sich selbst um Ihr Kind zu kümmern, werden Ihnen auch andere Möglichkeiten aufgezeigt, nämlich das Kind zur Adoption freizugeben oder als Pflegekind in eine andere Familie zu geben.

Zu einer solchen Beratung können Sie den Partner, Ehemann, den Freund, eine Freundin oder Ihre Eltern mitnehmen. Sie können sich auch alleine beraten lassen. Hier werden nicht nur die Vernunftgründe beleuchtet, sondern Ihnen als Betroffene wird auch geholfen, auf Ihre Gefühle für diese besondere Situation zu achten, in sich hineinzuhorchen und sich darüber auszutauschen, wie ein Leben mit Kind bewältigt werden könnte.

Wenn Ihnen als Frau, als Mann oder als Paar in Ihrer seelischen Verfassung weitergeholfen werden konnte und Sie sich einen Überblick über die Ihnen eventuell zustehenden finanziellen Hilfen verschafft haben, können Sie schließlich gestärkt und mit einem „klaren Kopf“ die für Sie richtigen Entscheidungen treffen und Ihre Zukunft planen.

Schwangerschaftsberatungsstellen gibt es überall: beim Gesundheitsamt Ihrer Stadt oder Gemeinde, bei Caritasverbänden, bei Pro Familia und Kirchlichen Verbänden. Staatlich anerkannte Schwangerenberatungsstellen finden Sie hier:http://www.stmas.bayern.de/familie/beratung/schwangere/index.php

Was muss ich beachten, wenn ich einen Schwangerschaftsabbruch wünsche?

Das Gespräch mit dem Partner, anderen für Sie bedeutenden Bezugspersonen und den Beratern einer Schwangerenberatungsstelle ist wichtig. Die Entscheidung für oder gegen das Kind und damit auch die Verantwortung dafür liegt jedoch bei der schwangeren Frau selbst. Eine Frau darf per Gesetz niemals unter Druck gesetzt werden, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen.

Manche Frauen sehen trotz Abwägung aller Unterstützungsmöglichkeiten für eine frühe oder zunächst ungeplante Elternschaft in ihrer derzeitigen Lebenssituation keine Chance, ein Leben mit einem Kind in irgendeiner Form zu bewältigen oder es zur Adoption freizugeben. Sie wünschen dann einen Schwangerschaftsabbruch. Eine solche Entscheidung hat in jedem Fall langfristige Folgen. Daher sollte sie immer gründlich überlegt werden.

Nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche ist ein Abbruch gesetzlich erlaubt. Dazu muss die betroffene Frau aber eine Schwangerschaftskonfliktberatung einer anerkannten Beratungsstelle aufsuchen und diese mit einer Bescheinigung nachweisen. Frauen, die erst spät von ihrer Schwangerschaft erfahren, geraten mit der gesetzlichen Frist oft unter Zeitdruck. Sie können in der Eile nicht absehen, ob sie die eigenen Lebensumstände so verändern können, dass ein Kind darin Platz findet. Umso wichtiger ist es, die Hilfestellung einer Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen.

Was ist eine Schwangerschaftskonfliktberatung?

Eine Beratung in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle ist Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch. Sie ist kostenlos und in der Regel bekommt man dort umgehend einen Beratungstermin. In dieser Beratung wird behutsam auf die Schwangere und deren Partner eingegangen. Im Anschluss erhält die Frau eine Bescheinigung darüber, dass sie dort beraten wurde.

Aber Achtung: Beratungsstellen ohne staatliche Anerkennung wie beispielsweise christliche Träger können keine Beratungsbescheinigung ausstellen. Sie können zwar in einer Schwangerenkonfliktsituation beraten, aber für die Beratungsbescheinigung muss eine betroffene Frau in jedem Fall in eine gesetzlich anerkannte Schwangerschaftsberatungsstelle gehen, wie beispielweise Profamilia. Bei der Ausstellung der Beratungsbescheinigung muss der Name der Frau genannt werden. Die Beratungsstelle muss eine gesetzlich festgelegte Schweigepflicht einhalten, z.B. auch gegenüber den Eltern einer minderjährigen Schwangeren.

Mit der Bescheinigung über das Beratungsgespräch kann die Frau zu jedem Frauenarzt oder jeder Frauenärztin gehen, wo sie über den Eingriff, den Ablauf und auch die Risiken und mögliche physische und psychische Auswirkungen informiert wird. Mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin kann sie anschließend einen Termin für den Schwangerschaftsabbruch vereinbaren.

Die Schwangerschaftsberatungsstellen stehen auch jenen Frauen zur Verfügung, die nach einem Schwangerschaftsabbruch über Ihre Gefühle sprechen möchten und geben Hilfestellung bei seelischen Problemen, die häufig einem Schwangerschaftsabbruch folgen.

Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin, aber auch das Gesundheitsamt können Adressen von Schwangerschaftsberatungsstellen nennen. Staatlich anerkannte Beratungsstellen in Bayern finden Sie hier: http://www.stmas.bayern.de/familie/beratung/schwangere/index.php