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Anonyme Geburt / Babykorb

Es gibt immer wieder Fälle, in denen Frauen sich selbst oder ihrer Umwelt eine Schwangerschaft aus einer Notlage heraus nicht eingestehen. Oder sie wollen aus Furcht vor einer möglichen Aufdeckung der Schwangerschaft keine Hilfe in Anspruch nehmen. Gründe hierfür können sein, dass

  • (minderjährige) Frauen berechtigte Angst vor ihren Eltern oder massiver Gewalt ihres Partners haben,
  • Frauen illegal in Deutschland leben,
  • Frauen obdachlos sind,
  • Frauen durch extreme kulturelle oder weltanschauliche Zwänge unter Druck gesetzt werden.

Nicht jede dieser Situationen muss zur Ablehnung des Kindes führen, aber es besteht ein gewisses Risiko.

Um Kurzschlussreaktionen wie etwa einer Aussetzung des Kindes vorzubeugen, wurden vor allem im großstädtischen Bereich so genannte "Babyklappen" oder die Möglichkeit der anonymen Geburt eingerichtet. Hier können neugeborene Kinder "abgegeben" werden, wenn Frauen sich nicht in der Lage sehen, mit ihnen zu leben.

Wer entscheidet, ob ich mein Kind anonym "abgeben" oder zur Welt bringen kann?
Welche anderen Hilfemöglichkeiten haben Mütter in Notsituationen?
Wie unterscheiden sich Babyklappe und anonyme Geburt?
Was passiert nach der "Abgabe" mit dem Kind?
Kann ich zu einem späteren Zeitpunkt Informationen über das Kind erhalten?
Welche Überlegungen sind wichtig für meine Entscheidung?

Wer entscheidet, ob ich mein Kind anonym "abgeben" oder zur Welt bringen kann?

Die Entscheidung obliegt alleine der Frau. Niemand darf sie bei dieser Entscheidung in irgendeiner Weise unter Druck setzen. Das würde einer Nötigung gleichkommen, die strafbar ist. Allerdings müssen Betroffene bei ihrer Entscheidung daran denken, dass die "Abgabe" des Neugeborenen nur für besondere Notsituationen vorgesehen ist.

Insbesondere müssen vor einer solchen Entscheidung die folgenden Punkte unbedingt überlegt werden:

  • Die anonyme Weggabe eines Kindes stellt wohl für jede Mutter eine schwer wiegende Entscheidung dar, die nur in einer völlig ausweglosen Situation erwogen werden sollte. In einer solchen Lage brauchen Sie aber dringend Hilfe. Hierzu finden Sie im nächsten Absatz Hinweise.
  • Wenn ein Kind abgegeben und danach adoptiert wird, kann es nicht wieder "zurückgeholt" werden. Nur bis zum gerichtlichen Ausspruch der Adoption (also etwa ein Jahr) kann es sich die Mutter noch anders überlegen.
  • Wenn dem Kind keinerlei Informationen über seine Herkunft mit auf den Weg gegeben werden, wird es nie nach seinen tatsächlichen Wurzeln forschen können. Das kann später zu einer großen psychischen Belastung werden.

Welche anderen Hilfemöglichkeiten haben Mütter in Notsituationen?

Es gibt eine Reihe von Stellen, die Ihnen bereits im Vorfeld der Geburt helfen können.

Insbesondere die Schwangerenberatungsstellen bieten kostenfrei Beratung, Unterstützung und informieren Sie über finanzielle Hilfen. Sie garantieren Anonymität und können daher ohne Bedenken aufgesucht werden.

Zum Schutz vor Gewalt ist die Kontaktaufnahme zu einem Frauenhaus oder einem Frauennotruf sinnvoll. Auch hier wird Ihnen anonym geholfen.

Unterstützung finden Sie auch in einer Mutter-Kind-Einrichtung. Allerdings können Sie dort normalerweise nicht anonym bleiben.

Zu bedenken ist auch, ob nicht der "normale Weg" zu einer Adoption gangbar ist.

Wie unterscheiden sich Babyklappe und anonyme Geburt?

Bei der Babyklappe (auch "Babyfenster", "Babykorb", "Babyschleuse" o. ä. genannt) kann ein Neugeborenes anonym abgegeben werden. Es gleitet in ein Wärmebett, wobei mittels elektronischem Signal die sofortige Versorgung des Kindes sichergestellt wird. Allerdings kümmert sich niemand um die Mutter. Sie wird sowohl medizinisch als auch mit ihren Problemen alleine gelassen.

Die anonyme Geburt läuft ab wie eine "normale" klinische Geburt, aber ohne dass die entbindende Frau der Geburtsklinik ihre Identität mitteilt. Kind und Mutter werden medizinisch versorgt. Die Mutter kann im Krankenhaus immer noch Beratung und Unterstützung bei ihrer Entscheidung erhalten, wenn sie das möchte. Sie ist sicher vor dem Druck anderer Personen.

Bei anonymer Geburt und Babyklappe wird das Kind nach einer Frist von mindestens acht Wochen zur Adoption vermittelt. Das Kind erhält dann eine neue Familie.

Bei beiden Angeboten hat die leibliche Mutter die Möglichkeit, Informationen über die Herkunft des Kindes zu hinterlegen, ohne dabei ihren eigenen Namen zu offenbaren.

Was passiert nach der "Abgabe" mit dem Kind?

Zunächst wird das Kind medizinisch versorgt. Gleichzeitig muss das Jugendamt Maßnahmen für den Schutz des Kindes treffen: Es wird ein Vormund bestellt und entschieden, welche weiteren Hilfen das Kind benötigt. Schließlich wird das Kind in die so genannte Adoptionspflege vermittelt. Das heißt, das Kind kommt in eine geeignete Familie, die es adoptieren möchte. Soweit es die Umstände zulassen, hat die anonym gebärende Mutter die Möglichkeit, hierzu Wünsche und Vorstellungen zu äußern.

Sollten Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt doch für Ihr Kind entscheiden, können Sie über das Jugendamt erfahren, ob zwischenzeitlich eine Adoption erfolgt ist, oder ob Sie das Kind zu sich aufnehmen können.

Kann ich zu einem späteren Zeitpunkt Informationen über das Kind erhalten?

Grundsätzlich ist bei "Babyklappe" und anonymer Geburt die absolute Anonymität sichergestellt. Wünschen Sie trotzdem Informationen über das Kind, ist dies - auch noch nach Jahren - über die aufnehmende Einrichtung oder das Jugendamt am Ort der Einrichtung möglich. In diesem Fall muss eine Strafverfolgung nicht befürchtet werden, weil das Jugendamt dem Datenschutz unterliegt. Sie können auch anonym Kontakt mit dem Jugendamt aufnehmen.

Zur Erleichterung der späteren Kontaktaufnahme finden Sie in den Babyklappen und den Kliniken der anonymen Geburt näheres Informationsmaterial, zum Beispiel Faltblätter mit Ansprechpartnern. Es besteht auch die Möglichkeit, vor dem Babyfenster einen Handabdruck des Kindes zu nehmen oder neutrale Dokumente über Zeit und Ort der Geburt anzulegen.

Welche Überlegungen sind wichtig für meine Entscheidung?

Grundsätzlich gilt es zu bedenken, dass eine "Abgabe" sowohl bei der Mutter als auch beim Kind längerfristig mit psychischen Belastungen verbunden sein kann. Die Abgabe muss sich auf absolute Ausnahmesituationen beschränken, wenn jede andere Hilfe ausscheidet. Sie sollten also zunächst überlegen, welche anderen Hilfeangebote sonst für Sie in Betracht kommen.

Unbedingt ist zu empfehlen, dass Informationen über die Herkunft des Kindes beim Jugendamt oder der Abgabeeinrichtung - gegebenenfalls auch zu einem späteren Zeitpunkt - hinterlegt werden. Dabei können Sie auch beim Jugendamt anonym bleiben, wenn Sie das möchten. Um abwägen zu können, wie wichtig welche Informationen für Sie oder das Kind sein können, können Sie auch anonym beim Jugendamt nachfragen.