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Störungen der Sprachentwicklung

Wenn ein Kind die ersten Worte formuliert, wenn es "Mama" oder "Papa" sagen kann, sind alle Eltern begeistert.

Obwohl das Erlernen der Sprache ein sehr komplizierter Vorgang ist, scheint es manchmal, als ob es ganz nebenbei verlaufen würde.

Um sprechen zu lernen, müssen jedoch viele Voraussetzungen aufseiten des Kindes und aufseiten seiner Umgebung erfüllt sein.

Das Kind muss hören und sehen können, es muss Reize im Gehirn verarbeiten können und es muss in der Lage sein, seine Mundmuskulatur zu steuern. Darüber hinaus braucht jedes Kind Menschen in seiner Umgebung, die viel mit ihm sprechen und ihm so beispielsweise beibringen, welche Namen die Dinge haben, wie ihre Eigenschaften bezeichnet werden und wie Sätze richtig formuliert werden.

Die meisten Eltern tun ganz automatisch genau das Richtige, damit ihr Kind Sprache richtig erlernen kann.

Beim Sprechenlernen hat jedes Kind sein eigenes Tempo

Deshalb können erhebliche Unterschiede bestehen, die jedoch noch keinen Anlass zur Sorge geben. Allerdings gibt es Erfahrungswerte, mit welchem Alter Kinder bestimmte sprachliche Fähigkeiten haben sollten.

Äußert etwa ein Kleinkind Sätze wie "Mama Lade", was soviel heißt wie "Mama, ich hätte gern noch ein Stück Schokolade!", ist das völlig altersentsprechend. Trägt jedoch ein Vorschulkind seine Wünsche noch regelmäßig in dieser Art an Sie heran, liegt sicherlich eine deutlich verzögerte Sprachentwicklung vor.

Welche Störungen gibt es?
Warum hat mein Kind Schwierigkeiten beim Sprechen?
Wie kann ich meinem Kind helfen?
Welche Behandlungs- und Fördermöglichkeiten gibt es?

Welche Störungen gibt es?

Vier unterschiedliche Bereiche der Sprache können von Störungen betroffen sein:

Aussprache:

  • Aussprachefehler stellen die häufigste Sprachstörung dar. Die betroffenen Kinder bilden einen oder mehrere Laute falsch. Meist handelt es sich um die Laute "s", "z", "sch", "ch", "r" oder "k".

  • Eine Störung der Aussprache liegt ebenfalls vor, wenn bestimmte Laute immer oder nur in Kombination mit anderen Lauten ausgelassen werden. Diese Kinder sagen beispielsweise statt "Schnuller" immer "Nuller".

  • Manche Kinder ersetzen bestimmte Laute regelhaft durch andere und sprechen zum Beispiel statt einem "r" immer ein "l".

  • Zu Beginn der Sprachentwicklung sind die beschrieben Aussprachefehler völlig normal, sollten aber behandelt werden, wenn sie auch im Kindergartenalter noch fortbestehen.

Sprachverständnis:

  • Ein vermindertes Sprachverständnis äußert sich darin, dass ein Kind Wörter und Sätze nicht versteht, die es aufgrund seines Alters kennen sollte.

  • Manche betroffenen Kinder versuchen diese Schwäche zu verheimlichen, indem sie probieren, nur aus der Situation heraus den Inhalt des Gesprochenen zu erschließen.

Wortschatz:

  • Kinder mit eingeschränktem Wortschatz wissen oftmals nicht die richtige Bezeichnung für verschiedene Dinge, die sie eigentlich kennen müssten. Benennt jemand den Gegenstand, wird häufig klar, dass der Begriff eigentlich bekannt ist.

  • Oftmals sprechen sie von einem "Dingsda" oder benutzen ähnliche Ersatzwörter.

Satzbau und Grammatik:

  • Die betroffenen Kinder wenden grammatikalische Regeln nicht oder nicht richtig an, weshalb diese Störung auch als Dysgrammatismus bezeichnet wird.

  • Sie lassen Wörter oder ganze Satzteile aus, bilden Mehrzahl ("die Hünde") oder Vergangenheitsformen ("Ich hang an der Stange") falsch, verwechseln männliche und weibliche Form ("der Haus"), verwenden nicht die richtigen Wortendungen ("du gehe in die Schule") oder beachten nicht die richtige Reihenfolge der Wörter im Satz.

Sind in allen vier Bereichen Verzögerungen feststellbar, spricht man von einer Störung der Sprachentwicklung. Ist nur ein einzelner Bereich betroffen, wird dies als Sprachentwicklungsverzögerung bezeichnet.

Etwas anders gelagert ist die Störung beim Stottern. Es handelt sich dabei nicht um eine Sprachstörung oder -schwäche, sondern um eine Störung im Redefluss. Die Betroffenen sind meist in der Lage, sämtliche Laute richtig auszusprechen, haben keine Verständnisprobleme, Wortschatzstörungen und grammatikalischen Schwierigkeiten.

Warum hat mein Kind Schwierigkeiten beim Sprechen?

Da beim Erlernen der Sprache sehr viele Faktoren beteiligt sind, können Verzögerungen oder Störungen der Sprachentwicklung vielfältige Ursachen haben. Es lassen sich jedoch vier Ursachengruppen zusammenfassen:

Organische Ursachen:

Bei allen Sprachstörungen sollte zunächst geklärt werden, ob eventuell organische Ursachen wie etwa eine Hörschwäche, Fehlbildung der beteiligten Sprechorgane oder neurologische Störungen und Schädigungen vorliegen.

Psychische Ursachen:

Da Sprache immer im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Kontakten verwendet wird, können sich Ängste, Aggressionen oder Unsicherheiten auch auf sprachliche Fähigkeiten auswirken.

Unzureichende Lernmöglichkeiten:

Kinder brauchen zum Erlernen der Sprache Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Die ersten und wichtigsten Gesprächspartner Ihres Kindes sind natürlich Sie, die Eltern.

In manchen Familien bleibt oft zu wenig Zeit für Gespräche und ausreichend Unterstützung beim Erlernen der Sprache. Wenn Kinder kaum Gelegenheit haben, sich zu äußern, weil der Gesprächspartner zu viel, zu schnell oder zu kompliziert spricht, verlieren sie leicht die Motivation, selbst mehr zu sprechen.

Erbliche Ursachen:

Möglicherweise bestehen erblich bedingte Anlagen für die Entwicklung von Sprachstörungen.

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Unabhängig davon, welche Sprachschwierigkeiten Ihr Kind hat, gibt es einige Dinge, die Sie im alltäglichen Umgang mit Ihrem Kind tun können, um ihm zu helfen:

  • Sprechen Sie langsam mit Ihrem Kind und schauen Sie es dabei an, damit Ihr Kind die richtige Aussprache beobachten kann.

  • Wenn Sie Ihr Kind bei Fehlern auslachen, tadeln oder kritisieren, helfen Sie ihm nicht. Es wird nur frustriert werden.

  • Loben Sie Ihr Kind für richtig gesprochene Laute, Wörter und Sätze.

  • Vergessen Sie dabei aber nicht, dass der Inhalt des Gesprochenen im Mittelpunkt steht. Wenn Sie nur noch auf Sprachfehler oder richtig gesprochene Wörter achten, kann Ihr Kind das Gefühl bekommen, dass die eigentliche Mitteilung Sie nicht interessiert.

  • Sie können Ihrem Kind am besten helfen, indem Sie die Aussagen des Kindes in richtiger Aussprache oder Formulierung wiederholen oder ihm Fragen in richtiger Form stellen. Sagt Ihr Kind beispielsweise "da große Baum", könnten Sie etwa antworten "Ja, da steht ein großer Baum. Und da hinten stehen ganz viele kleine Bäume." Auf diese Art lernt Ihr Kind die richtige Formulierung, ohne das Gefühl zu haben, etwas falsch gemacht zu haben.

  • Sie können Ihrem Kind helfen, seinen Wortschatz zu erweitern, indem Sie mit Ihm gemeinsam Bilderbücher anschauen und darüber sprechen, bei gemeinsamen Spielen - wie etwa Memory - die abgebildeten Gegenstände benennen oder einfach gemeinsam mit Ihrem Kind die Vorgänge um sich herum beobachten und darüber sprechen.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Erlebnisse und helfen Sie ihm durch geeignete Nachfragen und Zusammenfassungen, Erzählungen so aufzubauen, dass andere sie nachvollziehen können.

  • Bei Aussprachefehlern ist es meist notwendig, dass Sie auch zu Hause spezielle Sprechübungen mit Ihrem Kind durchführen.

Sie können diese Übungen angenehmer für Ihr Kind und sich selbst gestalten, wenn Sie sie spielerisch auflockern.

Welche Behandlungs- und Fördermöglichkeiten gibt es?

Wenn Sie den Verdacht haben, Ihr Kind leidet an einer Sprachentwicklungsstörung oder -verzögerung, sollten Sie in jedem Fall frühzeitig mit Ihrem Kinderarzt sprechen.

Er wird zunächst beurteilen, ob tatsächlich Auffälligkeiten vorliegen oder die Sprachentwicklung Ihres Kindes im Normbereich liegt.

Anschließend werden gegebenenfalls weitere Untersuchungen durchgeführt, um die Ursachen der Störung herauszufinden. Je nach Ergebnis werden entsprechende Behandlungs- und Fördermöglichkeiten mit Ihnen besprochen.

Oftmals wird eine gezielte logopädische Behandlung verordnet. Daneben bieten Sprachheilkindergärten und Sprachheilschulen geeignete Fördermöglichkeiten für betroffene Kinder.