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Lernbehinderungen

Bei der Einschulung kommen Kinder mit unterschiedlichsten Begabungen, verschiedensten Vorerfahrungen, mit individuellen Stärken und Schwächen gemeinsam in eine Klasse.

Schon recht bald wird deutlich, dass manche Kinder etwas länger brauchen als andere, sich an den Schulalltag zu gewöhnen oder zu einer Arbeitshaltung zu finden. Das ist völlig normal. Auch wenn manche Dinge nicht auf Anhieb klappen, ist das noch kein Grund zur übermäßigen Sorge. Wenn Ihr Kind in einem Fach mehr Schwierigkeiten hat als in anderen Fächern - ihm beispielsweise vor allem der Umgang mit Zahlen Kopfzerbrechen bereitet - ist das innerhalb eines gewissen Rahmens üblich.

Ein vertrauensvolles Gespräch mit der Lehrkraft kann meist Klärung bringen, ob tatsächlich Defizite vorliegen und wie Sie Ihr Kind, wenn es nötig erscheint, darin unterstützen können, diese abzubauen.

Oft führen auch äußere Belastungen wie etwa Wohnort- und Schulwechsel, Veränderungen im familiären System oder Erkrankungen zu einem Leistungsabfall in der Schule, der jedoch in den meisten Fällen nur vorübergehend ist.

Hat ein Kind jedoch von Anfang an und über längere Zeit erhebliche Schwierigkeiten, sich schulische Inhalte im gleichen Tempo wie die Mehrzahl seiner Mitschüler anzueignen, und sind seine Schwierigkeiten gleichzeitig nicht auf einen Leistungsbereich beschränkt, sondern in fast allen Fächern ähnlich, könnte eine Lernbehinderung vorliegen.

Was ist eine Lernbehinderung?
Warum ist mein Kind lernbehindert?
Wer kann eine Lernbehinderung feststellen?
Wo wird mein Kind am besten gefördert?
Wie kann ich meinem Kind helfen?
Wie wird die Zukunft meines Kindes aussehen?

Was ist eine Lernbehinderung?

Zur Feststellung von Lernbehinderungen gibt es keine eindeutigen Kriterien. Von Lernbehinderung wird jedoch meist dann gesprochen, wenn ein Kind in den meisten Fächern andauernde und erhebliche Schwierigkeiten hat, sich schulisches Wissen anzueignen.

Die Leistungen der betreffenden Kinder liegen meist in allen Kernfächern, vor allem in den Fächern Mathematik und Deutsch, deutlich unterhalb des Durchschnitts.

Oft stehen Schwächen in der Merkfähigkeit oder der Konzentration im Vordergrund. Vielfach fällt es den betroffenen Kindern auch schwer, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und auf ähnliche Aufgabenstellungen zu übertragen. Manche Kinder mit einer Lernbehinderung weisen auch deutliche Rückstände in der Sprachentwicklung oder der motorischen Entwicklung auf.

Oft sind die Kinder auch unter Anleitung nicht in der Lage, sich sinnvolle Lernstrategien anzueignen.

Ein negatives Selbstbild , welches sich in Aussagen wie "Ich bin dumm!" oder "Ich verstehe nie etwas!" äußern kann, führt oft zu einer Abneigung gegenüber jeder Form von schulischem Lernen. Eine solche Haltung erschwert zusätzlich weitere Lernerfolge.

Warum ist mein Kind lernbehindert?

Die Ursachen einer Lernbehinderung sind meist vielfältig. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen.

In manchen Fällen können genetische Ursachen der Behinderung festgestellt werden wie etwa bestimmte Stoffwechselerkrankungen oder Erbgutdefekte.

Häufig werden auch Schädigungen während der Schwangerschaft durch Infektionen, Medikamente oder sonstige Schadstoffe vermutet.

Auch während der Geburt können Komplikationen einen Sauerstoffmangel bedingen und in der Folge zu Schädigungen des Gehirns führen.

In einigen Fällen führen psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen oder stark ausgeprägte Ängste eines Kindes dazu, dass seine intellektuelle Leistungsfähigkeit eingeschränkt oder seine Motivation, sich Wissen anzueignen, deutlich reduziert ist.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Entstehung einer Lernbehinderung haben aber auch Einflüsse aus der unmittelbaren Umgebung des Kindes. Zu wenig Anregung durch das soziale Umfeld oder zu wenig emotionale und soziale Zuwendung können in erheblichem Maße zum Entstehen einer Lernbehinderung beitragen.

Wer kann eine Lernbehinderung feststellen?

Um eine Lernbehinderung feststellen zu können, wird eine Anzahl von Informationen benötigt.

Neben Zeugnisnoten und schulischen Beurteilungen sollten immer auch ärztliche Untersuchungen und psychologische Tests zur Bewertung herangezogen werden.

Ist Ihr Kind noch nicht in der Schule, sind auch die Beobachtungen und Einschätzungen der betreuenden pädagogischen Fachkräfte im Kindergarten oder der Vorschuleinrichtung, die Ihr Kind besucht, von großer Bedeutung.

Wichtig ist, dass alle Einzelergebnisse an einer Stelle gebündelt werden, um eine fundierte Stellungnahme zu ermöglichen. Je nachdem, wer im Einzelfall mit einbezogen wurde, kann das der zuständige Schulpsychologe, Ihr Arzt oder die Fachkraft in einer Erziehungsberatungsstelle sein.

In jedem Fall muss jedoch ein Informationsaustausch mit der Schule Ihres Kindes erfolgen, damit geeignete schulische Fördermaßnahmen für Ihr Kind eingeleitet werden können.

Wo wird mein Kind am besten gefördert?

Zur Förderung lernbehinderter Kinder stehen grundsätzlich zwei unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Eine Möglichkeit stellt die Integration der betroffenen Kinder in der Regelschule dar. Dabei erhalten sie soweit wie möglich zusätzliche individuelle Förderung. An einigen Schulen stehen zu diesem Zweck so genannte "mobile sonderpädagogische Dienste" zur Verfügung, die spezielle Förderstunden für betroffene Kinder anbieten. An anderen Schulen bieten Lehrkräfte der Schule selbst solche zusätzlichen Förderstunden an.
  • Die zweite Möglichkeit ist die Beschulung in einer Schule zur individuellen Lernförderung. Hier werden Kinder mit ähnlichen Schwierigkeiten gemeinsam in kleinen Klassen unterrichtet. Unterrichtsstoff und Lerntempo sind hier gegenüber der Regelschule reduziert. Bei ausreichend guten Leistungen ist ein späterer Übertritt auf die Regelschule möglich.

Für Kinder, bei denen bereits vor der Einschulung oder zu Beginn der Grundschulzeit Unklarheit besteht, ob sie an einer Regelschule angemessen gefördert werden können, stehen Diagnose-Förderklassen zur Verfügung, welche die Unterrichtsinhalte der ersten beiden Grundschuljahre in drei Jahren vermitteln. Am Ende dieser drei Jahre spricht die Lehrkraft eine Empfehlung aus, welche Schulart für Ihr Kind die besten Fördermöglichkeiten bietet.

Die Wahl der am besten geeigneten Schule hängt zwar in erster Linie von den Stärken und Schwächen Ihres Kindes ab, allerdings sollten Sie auch die Gegebenheiten vor Ort mit in Ihre Überlegungen einbeziehen.

Um die für Ihr Kind optimale Fördermöglichkeit zu finden, sollten Sie in jedem Fall die Empfehlung der Fachleute berücksichtigen, welche die Lernbehinderung diagnostiziert haben. Darüber hinaus sind persönliche Gespräche mit den Lehrkräften der in Frage kommenden Schulen sicher hilfreich für Ihre Entscheidungsfindung.

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Je früher eine Lernbehinderung festgestellt wird, desto eher kann mit einer spezifischen Förderung Ihres Kindes begonnen werden.

Wenn ernst zu nehmende Hinweise auf eine Lernbehinderung Ihres Kindes vorliegen, sollten Sie sich deshalb möglichst schnell um eine Abklärung bemühen. So können Sie eine Überforderung Ihres Kindes, welche in den meisten Fällen zur gänzlichen Verweigerung schulischer Anstrengung führt, verhindern.

Ebenso ungünstige Auswirkungen auf das Lernverhalten hat jedoch auch eine Unterforderung. Wenn Sie von Ihrem Kind keine Anstrengung und Auseinandersetzung mit schulischen Inhalten mehr verlangen, wird es die ihm möglichen Lernerfolge ebenfalls nur schwer erreichen können.

Obwohl Ihr Kind sicher auch Ihre Unterstützung bei Hausaufgaben und Übungen benötigt, sollten Sie das Thema Schule und schulische Leistungen nicht in den Mittelpunkt Ihres Familienlebens stellen.

Im täglichen Umgang mit Ihrem Kind ist es wichtig, ihm zu vermitteln, dass es unabhängig von seiner schulischen Leistungsfähigkeit von Ihnen geliebt und anerkannt wird.

Sicher verfügt auch Ihr Kind über Talente und besondere Fähigkeiten im sportlichen, musischen oder handwerklichen Bereich. Erfolgserlebnisse in einem Bereich, der nicht unmittelbar mit zentralen schulischen Themen zu tun hat, sind für Ihr Kind besonders wichtig.

Geben Sie Ihrem Kind also die Möglichkeit, seine Fähigkeiten zu entdecken.

Wie wird die Zukunft meines Kindes aussehen?

Sicher werden Sie sich gelegentlich Gedanken über die Zukunft Ihres Kindes machen. Wird es jemals auf eigenen Beinen stehen können oder wird es immer auf Unterstützung angewiesen sein?

In der Regel können sich auch lernbehinderte Kinder die wichtigsten Inhalte des Mittelschulstoffs aneignen. Das Erlernen von beruflichem Wissen ist somit auch für lernbehinderte Kinder durchaus möglich.

Bei einer Anzahl handwerklicher Berufe besteht außerdem die Möglichkeit, eine Lehre zu absolvieren, bei der die theoretischen Erfordernisse reduziert werden und der Schwerpunkt in der praktischen Ausbildung liegt.