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Körperliche Beeinträchtigungen / Sinnesorgane

Jedes Kind, jeder Erwachsene leidet hin und wieder unter körperlichen Beeinträchtigungen. Leichte oder schwer wiegendere Erkrankungen haben Auswirkungen auf unser gesamtes Befinden und unsere Leistungsfähigkeit. Infektionserkrankungen sind vor allem im Kindesalter häufig und üblich.

Glücklicherweise sind die medizinischen Kenntnisse heutzutage so weit fortgeschritten, dass eine große Zahl von Erkrankungen über kurz oder lang geheilt oder deutlich gelindert werden können.

Trotz aller Fortschritte gibt es aber auch eine Vielzahl von angeborenen oder früh erworbenen organischen Störungen, die trotz aller medizinischer Fortschritte nicht "repariert" werden können.

In diesem Abschnitt werden Fragen zu diesen unabänderlichen körperlichen Behinderungen bei Kindern erörtert.

Obwohl beide Formen der Behinderung auf organischen Defiziten beruhen, unterscheiden Fachleute zwischen körperlicher Behinderung und Behinderungen durch geschädigte Sinnesorgane.

Was ist eine körperliche Behinderung?
Was versteht man unter einer Beeinträchtigung der Sinnesorgane?
Welche weiteren Auswirkungen hat die körperliche Beeinträchtigung auf mein Kind?
Wo wird mein Kind am besten gefördert?
Wie kann ich meinem Kind am besten helfen?

Was ist eine körperliche Behinderung?

Als körperbehindert werden Kinder und Jugendliche bezeichnet, die erhebliche und dauerhafte Einschränkungen in ihrer Bewegungsfähigkeit aufweisen.

Sowohl die Ursachen der körperlichen Behinderung als auch die daraus entstehenden Folgen für das betreffende Kind und seine Familie sind sehr unterschiedlich. Die Ursachen körperlicher Behinderung lassen sich jedoch zu mehreren Gruppen zusammenfassen.

Bei Kindern und Jugendlichen besonders häufig sind Schädigungen des Zentralnervensystems. Durch frühkindliche Hirnschädigung (beispielsweise aufgrund von Geburtsschäden oder auch durch Tumore, Infektionen oder Unfälle) können etwa spastische Lähmungen verursacht werden.

Daneben sind angeborene Fehlbildungen des Rückenmarks und der Wirbelsäule (beispielsweise Spina bifida = offener Rücken) oder infektionsbedingte Erkrankungen (wie zum Beispiel Kinderlähmung) relativ häufig.

In Verbindung mit solchen cerebralen Schädigungen können zusätzlich Anfallsleiden (Epilepsien) auftreten.

Körperliche Behinderung betrifft relativ häufig auch Schädigungen der Muskulatur und des Skelettsystems. Dazu gehören Muskelschwund-Erkrankungen und Wachstumsstörungen wie zum Beispiel Fehlbildungen des Skeletts, Gelenkfehlstellungen, Rückgratverkrümmung oder Kleinwüchsigkeit.

Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit werden mitunter auch durch chronische Erkrankungen wie beispielsweise Rheuma oder Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen verursacht.

Der Verlust von Gliedmaßen als Folgeschaden von Unfällen spielt als Ursache körperlicher Behinderung erst bei älteren Kindern und Jugendlichen eine zunehmende Rolle.

Was versteht man unter einer Beeinträchtigung der Sinnesorgane?

Eine Behinderung im Bereich der Sinneswahrnehmung betrifft überwiegend das Sehen oder Hören, wesentlich seltener sind Tast- und Geschmackssinn betroffen.

Da die Wahrnehmung der sichtbaren und hörbaren Umwelt für die Entwicklung von Kindern eine besonders große Rolle spielt, führen erhebliche Einschränkungen dieser Wahrnehmungsfähigkeiten zu umfassenden Beeinträchtigungen in vielen Bereichen der kindlichen Entwicklung.

Einschränkungen in der Sinneswahrnehmung gibt es in verschiedenen Ausprägungen. So sind die Grenzen zwischen ausgeprägter Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit ebenso wie zwischen erheblicher Einschränkung der Sehfähigkeit und Blindheit fließend.

Ist das Erlernen der Lautsprache auch mithilfe technischer Hörhilfen nicht möglich, sind Gehörlose oder stark Schwerhörige in der Kommunikation mit anderen weitgehend auf andere Sinne wie das Sehen angewiesen. Mittels der Gebärdensprache können sie zwar lernen, sich zu verständigen, benötigen aber zur Kommunikation mit Hörenden oftmals einen Gebärdendolmetscher, da nur wenige Hörende die Gebärdensprache beherrschen.

Ebenso wie Gehörlose verstärkt auf optische Wahrnehmungen angewiesen sind, sind sehbehinderte oder blinde Menschen sozusagen ersatzweise auf das besondere Training einer anderen Sinneswahrnehmung - den Tastsinn - angewiesen, um ihre Umwelt möglichst genau wahrnehmen zu können.

Welche weiteren Auswirkungen hat die körperliche Beeinträchtigung auf mein Kind?

Unter Kindern mit körperlichen Beeinträchtigungen findet man die gleiche Bandbreite intellektueller Leistungsfähigkeit und unterschiedlichste Charaktereigenschaften wie unter nicht beeinträchtigten Kindern auch.

Mehr als gesunde sind körperlich beeinträchtigte Kinder aber auf Hilfestellungen und Unterstützung durch ihre Eltern und andere Menschen angewiesen.

Selbstständiges Handeln, das Ausprobieren eigener Fähigkeiten oder das Zugehen auf andere ist für die meisten betroffenen Kinder deutlich erschwert.

Gerade deshalb ist es besonders wichtig, die Kinder in der Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins zu unterstützen. Im Vordergrund sollten daher nicht die Dinge stehen, die Ihr Kind aufgrund seiner Behinderung nicht leisten kann, sondern vielmehr seine besonderen Fähigkeiten und Leistungen.

Alle Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen werden sich früher oder später ihres Andersseins bewusst. Oft führen bestimmte Erlebnisse, meist im Kontakt mit anderen Menschen, zum schmerzlichen Bewusstsein der eigenen Behinderung. Sie werden interessiert angestarrt, bemitleidet oder von anderen Kindern einfach gefragt: "Warum gehst du so komisch?" oder "Kannst du nicht richtig sprechen?"

Die Tatsache, anders zu sein als andere, einige scheinbar selbstverständliche Dinge nicht zu können, behindert zu sein, wird Ihr Kind lange Zeit und immer wieder beschäftigen, Trauer und Wut auslösen.

Das Akzeptieren der eigenen Behinderung ist ein schwieriger und lang dauernder Prozess, bei dem Ihr Kind Ihre Unterstützung braucht.

Wo wird mein Kind am besten gefördert?

Obwohl Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen zunächst in jedem Fall eine umfassende medizinische Versorgung benötigen, sollte möglichst früh mit individuell notwendigen Fördermaßnahmen begonnen werden.

Je nach Art der Beeinträchtigung kann es sich dabei um physio-, ergotherapeutische oder logopädische Behandlungen und Übungen handeln.

Welche Fördermaßnahmen für Ihr Kind notwendig und geeignet sind, besprechen Sie am besten mit dem behandelnden Arzt oder Therapeuten.

Besondere Unterstützung erhalten Sie in Frühfördereinrichtungen, wo Sie neben der Vermittlung geeigneter Therapiemaßnahmen auch Beratung und Unterstützung für den erzieherischen Umgang mit Ihrem Kind erhalten.

Neben speziellen ambulanten Diensten für behinderte Kinder stehen auch Betreuungseinrichtungen mit geeigneten Förderangeboten zur Verfügung.

Sowohl für das Vorschul- als auch für das Schulalter bieten einige Einrichtungen auch integrative Gruppen an, bei dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden.

Da viele körperbehinderte Kinder sowie stark hör- oder sehbehinderte Kinder jedoch besondere Ausstattungsgegenstände und speziell ausgebildete Betreuer und Lehrkräfte benötigen, werden die betroffenen Kinder in der Regel in speziellen Kindertagesstätten und Förderschulen unterrichtet, die in kleinen Gruppen auf die besonderen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder eingehen. Schulen für behinderte Kinder sind oft als Ganztageseinrichtungen konzipiert und berücksichtigen die individuelle Leistungsfähigkeit der einzelnen Kinder.

Welche Einrichtung für Ihr Kind am besten geeignet ist, kann nur unter Berücksichtigung der Fähigkeiten und Bedürfnisse Ihres Kindes und den entsprechenden Angeboten vor Ort entschieden werden.

Behandelnde Ärzte und Therapeuten sowie Mitarbeiter von Frühfördereinrichtungen können Ihnen dabei sicher wertvolle Informationen und Empfehlungen geben.

Wie kann ich meinem Kind am besten helfen?

Als Eltern eines behinderten Kindes sind Sie außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt.

Neben der oft sehr zeitaufwendigen Pflege und Versorgung Ihres Kindes müssen Arzttermine und Therapiestunden wahrgenommen werden und zu Hause verschiedenste Übungen - oft gegen den Widerstand Ihres Kindes - durchgeführt werden. Sie sind damit nahezu rund um die Uhr gefordert.

Daneben müssen auch Sie die Tatsache, Vater oder Mutter eines behinderten Kindes zu sein, erst verarbeiten. Dieser Verarbeitungsprozess wird einige Zeit in Anspruch nehmen und immer wieder Ihre Kräfte binden. Durch die emotionale Unterstützung Ihrer Angehörigen und Freunde kann die Verarbeitung erleichtert werden.

Meist sind aber auch die Menschen aus Ihrem sozialen Umfeld durch die ungewöhnliche Situation verunsichert. Sprechen Sie deshalb offen mit ihnen darüber, welche Art der Unterstützung Ihnen wirklich helfen würde.

Als besonders hilfreich schildern viele Betroffene Kontakte zu Selbsthilfegruppen von Eltern behinderter Kinder, da sie sich hier mit Menschen austauschen können, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Kontakt zu anderen Eltern und Hilfe rund um den Alltag mit einem behinderten Kind können Sie auch auf der Seite www.intakt.info erhalten.

Damit Sie genügend Kraft und Geduld für die Versorgung, Pflege und Förderung Ihres Kindes aufbringen können, ist es wichtig, dass Sie sich selbst nicht zu viel zumuten. Sprechen Sie deshalb mit Angehörigen und Freunden oder den Fachleuten einer Beratungsstelle über Entlastungsmöglichkeiten für sich und Ihre Familie.

Genauso wie Sie als Eltern muss auch Ihr Kind seine Behinderung psychisch verarbeiten und lernen, diese zu akzeptieren. Auch für Ihr Kind ist das ein lang andauernder Prozess mit Höhen und Tiefen. Sie können Ihrem Kind bei der Verarbeitung helfen, indem Sie offen mit ihm auch über Ihre eigenen Gefühle und Erfahrungen sprechen.

Behinderte Kinder brauchen Ihre elterliche Fürsorge mehr als gesunde Kinder. Einige Lernprozesse und Übungen sind für Ihr Kind sehr mühsam, manche sogar mit erheblichen körperlichen Schmerzen und außergewöhnlichen Anstrengungen verbunden. Trotzdem sollte Ihr Kind - innerhalb seiner Grenzen - möglichst selbstständig und unabhängig von fremder Unterstützung werden.

Ihr Kind wird die notwendigen Dinge aber nur lernen können, wenn Sie ihm die Möglichkeit dazu geben. Es fällt sicher jedem von uns schwer, nur zuzusehen, wenn ein Kind sich für eine Tätigkeit, die man ihm mit einem Handgriff abnehmen könnte, sehr anstrengen muss, vielleicht sogar Schmerzen dabei verspürt und möglicherweise lange Zeit dafür benötigt.

Wenn es diese Tätigkeit aber zum ersten Mal alleine geschafft hat, wird Ihr Kind stolz auf sich und ein bisschen selbstbewusster sein - und einen weiteren Schritt in Richtung Selbstständigkeit gemacht haben.