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Die Entwicklung des Grundschulkindes

Kinder in diesem Alter entwickeln eine Vielzahl neuer geistiger und sozialer Kompetenzen. Im Spiel erproben sie sowohl die Zusammenarbeit mit Gleichaltrigen als auch den Wettbewerb. Die Einhaltung von gemeinsam aufgestellten Regeln und das Empfinden von moralischen Prinzipien wie Gerechtigkeit und Gleichheit werden immer wichtiger und ausgeprägter. Gegenstände werden im Spiel gerne zweckentfremdet, das Kind entwickelt seine Phantasie und Kreativität. Kinder im Grundschulalter setzen sich stark mit der Umwelt auseinander. Sie zeigen Interesse für bestimmte Hobbys, sind leistungsfähig und ausdauernd. In vielen Bereichen wollen und können sie schon Verantwortung übernehmen, sie werden jetzt wesentlich selbstständiger..
Die Beziehung zu gleichaltrigen Kindern spielt eine immer größere Rolle. Deutlich wird der Wunsch des Kindes, eigene Entscheidungen zu treffen.

Die körperliche Entwicklung
Die geistige Entwicklung
Die psychische Entwicklung
Aufklärung im Grundschulalter
Verantwortung übernehmen
Kann ich mein Kind abends allein lassen?
Welchen Einfluss haben die Gleichaltrigen?
Wie verändert sich das Verhältnis zu den Eltern?

Die körperliche Entwicklung

Während Kinder im Kleinkindalter und in der Pubertät rasante Wachstumsphasen durchlaufen, ist das Grundschulalter durch eine relativ konstante und eher langsame Zunahme von Größe und Gewicht gekennzeichnet. Der Größenzuwachs beträgt ca. vier bis sechs Zentimeter pro Jahr, der Gewichtszuwachs bewegt sich um die 30 %. Die Körperproportionen von Schulkindern weisen kaum noch Ähnlichkeiten mit dem Kindchenschema auf und haben sich denen der Erwachsenen bereits deutlich angenähert. Damit verlieren sie sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen den Schutz, den das Kindchenschema auslöst.

Im Grundschulalter verlieren Kinder ihre Milchzähne und die ersten bleibenden Zähne werden ausgebildet.

Im Bereich der Motorik stehen das Erlernen motorischer Fertigkeiten wie Rad fahren, Schwimmen, Rollschuhlaufen, Fußballspielen usw. im Vordergrund. Grundschulkinder haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang, der mit der weiteren Entwicklung – mit Eintritt der Pubertät – wieder etwas nachlässt. Gleichgewichtssinn, und Geschicklichkeit in der Bewegungskoordination sind bei Schuleintritt bereits gut ausgebildet.

Die geistige Entwicklung

Mit dem Schuleintritt benötigt das Kind eine Reihe von geistigen Fähigkeiten und Fertigkeiten
Als Voraussetzung für die Einschulung sprach man früher von der sogenannten „Schulreife“. Heute vermeidet man diesen Begriff und spricht von „Schulfähigkeit“. Neben der erforderlichen körperlichen und sozialen Entwicklung spielt dabei die geistige Entwicklung eine wesentliche Rolle.

In der Grundschule werden „Lesen“, Schreiben“ und elementares „Rechnen“ vermittelt. Um Lesen zu lernen, müssen bereits bei Schulbeginn ausreichende Sprachfähigkeiten vorhanden sein, die sich im Laufe der weiteren Entwicklung immer mehr verfeinern. Ebenfalls braucht das Kind dazu ein gewisses Maß an anderen geistigen Fähigkeiten, es muss zum Beispiel schon etwas abstrahieren können. Denn bei Wörtern, die man liest oder schreibt, geht es nicht um die konkret vorhandene Wirklichkeit. Beim Schreibenlernen kommen zu den erforderlichen sprachlichen und geistigen Fähigkeiten noch motorische Fähigkeiten.
Rechnen beginnt nicht erst im Schulalter. Die Kinder erwerben bereits vorher im Alltag Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit Zahlen, die die Grundlage für die Weiterentwicklung im Schulalter bilden.

Insgesamt wird das Denken des Kindes zunehmend sachorientierter. Besuche im Museum oder im Zoo werden in dieser Entwicklungsstufe immer interessanter. Ihr Kind hat jetzt das Bedürfnis, Dinge und Zusammenhänge erklären zu können. Es versucht immer mehr, diese Zusammenhänge zu entdecken und zu verstehen. Damit entwickelt das Kind ein realistisches Weltbild, bei dem das anschauliche Denken im Vordergrund steht. Gleichzeitig kann ein Kind diesen Alters sich wesentlich besser konzentrieren und lässt sich in der Regel gern auf Neues ein. Dies sind alles wichtige Voraussetzungen für ein Schulkind.

Das Gedächtnis entwickelt sich beachtlich weiter. Insbesondere bei Einzeldaten ist es ausgezeichnet. Das Kind kann nun die Zeit erfassen. Es kann Ereignisse abwarten und sich auf die Zukunft einstellen. Es weiß seinen Namen, den Wohnort, sein Geburtsdatum. So werden längerfristige Zielsetzungen möglich: Wenn ich zwölf Jahre bin, darf ich diesen Film anschauen! Liegt das Datum noch in weiter Ferne, kann das Kind dies nun abwarten und sich darauf freuen. Es vergisst nichts. Darum ist es sehr wichtig, einmal gemachte Versprechen einzuhalten. Das Kind kennt sein Alter. Es weiß auch, dass es einmal ein kleines Baby war und sich weiterentwickeln wird.

Die psychische Entwicklung

Das Grundschulalter ist ein ruhiger, stabiler Entwicklungsabschnitt. Das Kind festigt sich psychisch und löst sich langsam aus der Familie.

Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren, gelingt im Schulkindalter zunehmend besser. Auch das Wissen über Gefühle und ihre Ausdrucksweisen wird differenzierter. Bereits sechsjährige Kinder wissen, dass die "wahren" Gefühle einer Person nicht mit den im Ausdrucksverhalten gezeigten Gefühlen übereinstimmen müssen. Sie haben jetzt bereits ein Verständnis dafür, dass sich Gefühle verbergen lassen.

Das Selbstwertgefühl, das subjektive Empfinden der Wertschätzung der eigenen Person, wird in diesem Alter realistischer. Während Vorschulkinder noch sehr ungefiltert von ihren Fähigkeiten überzeugt sind, stellt sich bei Schulkindern durch die Erlebnisse im Schulalltag – Vergleichbarkeit der Leistungen – häufig eine leichte Minderung des Selbstwertgefühls ein. Allerdings sind sie in diesem Alter auch schon in der Lage, dies durch gute außerschulische Leistungen auszugleichen. Sie als Eltern können Ihr Kind in diesem Prozess unterstützen, indem Sie nicht nur die schulischen Leistungen Ihres Kindes in den Vordergrund stellen, sondern auch seine anderen Fähigkeiten fördern und loben.

Schulkinder nehmen sich als Mädchen oder Junge wahr. Die Geschlechterrollen sind in diesem Alter schon übernommen. Kleidung und Frisur sind bereits geschlechtsspezifisch. Wird ein Mädchen für einen Jungen gehalten und umgekehrt, ist es tief gekränkt. Dies sind positive Hinweise darauf, dass sich die Eigenwahrnehmung und das Selbstverständnis festigen. Im Grundschulalter bevorzugen Mädchen und Jungen Kontakte zu gleichgeschlechtlichen Kindern. Jungs in diesem Alter spielen gerne in größeren Gruppen, während Mädchen Zweierbeziehungen, d.h. die beste Freundin, bevorzugen.

Aufklärung im Grundschulalter

In dieser Zeit beginnt häufig eine Zeit der großen Fragen. Kinder suchen nach Antworten und möchten nun Vieles genauer wissen.

Das Kind im Schulalter interessiert sich für Zeugung und Geburt. Wie alle anderen Fragen in diesem Alter ist das Interesse eher sachlicher Natur. Darum ist eine sachliche Antwort genau die richtige. Das Kind soll wissen, wie die Geschlechtsteile korrekt bezeichnet werden. Mit Drumherumreden verwirrt man es nur. Auch eine zu ausführliche Erklärung aller Zusammenhänge ist nicht angemessen.

Aufklärung geschieht nicht in einem einzelnen Gespräch, sondern im Alltag. Zeigen Sie vor den Kindern Zärtlichkeit, sonst verstehen sie den Zusammenhang zwischen Liebe und Sexualität nicht.

Unaufgeklärte Kinder werden oft zum Gespött oder haben eigene Vorstellungen über Sexualität. Viele Informationen dringen von außen (Freunde, Fernsehen, Werbung...) auf das Kind ein. Halb verstandene Informationen können ein seltsames Gemisch geben. Am besten, Sie fragen Ihr Kind, was es selbst denkt. Dann bekommen Sie Informationen, was das Kind weiß und können manche Sachverhalte geraderücken und erklären.

Ihr Kind bringt vielleicht Ausdrücke mit nach Hause wie "ficken". Erklären Sie, was das Wort bedeutet, und machen Sie deutlich, wenn Sie dieses oder ähnliche Worte zu Hause nicht hören möchten. Aber machen Sie keine zu große Sache daraus, sonst bekommen die Wörter einen besonderen Reiz.

In diesem Alter genieren sich Kinder oft gegenüber dem gegengeschlechtlichen Elternteil. Dies sollten Sie unbedingt respektieren! Je eigenständiger das Kind wird, desto wichtiger ist, dass es sich abgrenzen kann. Unerwünschte Umarmungen oder Küsschen muss es mit einem Nein beantworten. Ein selbstbewusstes, starkes Kind kann sich am besten gegen Übergriffe schützen, bestärken Sie Ihr Kind also in seinen Gefühlen und Wünschen!

Verantwortung übernehmen

Wenn Ihr Kind in die Grundschule kommt, dann sollten Sie ihm kleine Aufgaben im gemeinsamen Zusammenleben geben und somit ein Stück Verantwortung übertragen. Dies ist wichtig, da es auch in der Schule Verantwortung übernehmen muss.

Lassen Sie Ihr Kind kann mitbestimmen, welche Pflichten es übernehmen wird. Es kann sich aussuchen, ob es die die Blumen gießt, den Müll raus bringt oder die Spülmaschine ausräumt.

Jedoch sollten Sie dabei darauf achten, dass Sie Ihr Kind nicht überfordern. Gerne kann es mal einspringen und mal noch Milch kaufen gehen, wenn die Mutter gerade kocht. Aber wenn ein Grundschulkind jeden Tag auf seinen kleinen Bruder aufpassen oder ihn vom Kindergarten abholen muss, gehen die Pflichte zu weit.

Das Kind sollte immer noch Zeit zum Spielen haben, in Ruhe seine Hausaufgaben machen können und einfach nur ein Kind sein dürfen.

Verantwortung übergeben heißt auch: Dem Kind etwas zutrauen im Rahmen seiner körperlichen und psychischen Kräfte.

Deshalb: Lassen Sie das Kind seine Aufgabe zu Ende führen, auch wenn es manchmal länger dauert. Wenn die Eltern es doch selbst übernehmen, damit es schneller geht, entwickelt das Kind keine Ausdauer und hat somit kein Erfolgserlebnis.

Kann ich mein Kind abends allein lassen?

Ein Kind im Grundschulalter abends allein zu lassen, kann noch schwierig sein. Auch sehr selbstständige Kinder haben kindliche Ängste, fürchten sich zum Beispiel oft noch im Dunklen.

Hinterlassen Sie die Telefonnummer, unter der Sie erreichbar sind. Informieren Sie die Nachbarn. Gehen Sie keinesfalls heimlich weg. Üben Sie am Tag das Alleinbleiben. Bleiben Sie beim ersten Mal nicht zu lange weg. Besser ist es, die Zeiten der Abwesenheit langsam zu erhöhen. Kommen Sie pünktlich zurück.

Das Kind muss wissen, dass es niemanden in die Wohnung lassen darf. Es darf am Telefon nicht sagen, dass es allein ist.

Achten Sie auf Ihr Kind, ob es bei Ihrer Wiederkehr fröhlich ist oder schon gewartet hat.

Welchen Einfluss haben die Gleichaltrigen?

Die Loslösung vom Elternhaus bahnt sich an. Immer wichtiger werden Freundschaften mit Klassenkameraden und Nachbarskindern. Das Kind sucht die Nähe zu Gleichaltrigen. Hier findet es außerhalb des Elternhauses Geborgenheit. Die Kinder teilen gleiche oder ähnliche Interessen, gleiche Ängste und Unsicherheiten, sie sprechen die gleiche Jugendsprache.

Das Kind telefoniert, macht selbstständig Termine aus, bekommt Einladungen. Über die Vielzahl und Art der Kontakte sind die Eltern oft erstaunt.

Welche Freunde sich das Kind aussucht, ist für Sie als Eltern nicht immer zu verstehen. Das Kind sollte sich jedoch seine Freunde selbst aussuchen dürfen und sich nicht heimlich mit diesen Freunden treffen müssen. Wenn Sie Ihrem Kind erlauben, die Freunde zu sich nach Hause einzuladen, werden Sie viel eher den Überblick über die Freunde Ihres Kindes behalten.

Diese erste Loslösung ist sehr wichtig, auch für die weitere Beziehung zu den Eltern. Begleiten Sie Ihr Kind wohlwollend bei diesem Ablösungsprozess, fühlt es sich angenommen und in seinem Ablösungsbedürfnis bestätigt. Diese Zeit ist prägend für das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind.

Im Zusammensein mit Gleichaltrigen lernt das Kind Treue, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Verantwortlichkeit. Übereinkünfte müssen gehalten werden. Mit Gleichaltrigen ist dies nicht so selbstverständlich wie vielleicht zu Hause. Aber es ist die Vorraussetzung dafür, zur Gruppe der Gleichaltrigen dazuzugehören und angenommen zu werden.

Die Vorbilder Ihres Kindes in seiner Altersgruppe sind nicht immer die, die Sie sich vorgestellt haben. Innerhalb der Gruppe gelten Regeln, die Ihnen vielleicht nicht gefallen. Die Kinder messen sich gerne. Angeberei und Übertrumpfung der anderen Gruppenmitglieder sind an der Tagesordnung. Dabei spielt auch der soziale Status der Familie eine Rolle. “Unser Auto hat 200 PS!“ Da kann nicht jeder mithalten.

Erfahren Sie von Ihrem Kind von diesen Angebereien, machen Sie ihm klar, wie unwichtig diese sind. Erklären Sie Ihrem Kind, dass hinter dieser Angeberei häufig sehr wenig Selbstbewusstsein steckt.

Innerhalb der Gruppe herrschen bestimmte Regeln: Spezielle Kleidung, spezielle Frisuren zeigen nach außen, dass man zur Gruppe dazugehört. Um von den anderen Kindern angenommen zu werden, richtet sich Ihr Kind vielleicht auch danach. Sprechen Sie mit ihm über diese Gruppenregeln. Überlegen Sie gemeinsam, welche Regeln Sinn machen und welche unwichtig sind. Die Gruppenmeinung ist von großer Bedeutung für Ihr Kind, jedoch sollte die Grenze immer bei einer möglichen Gefährdung (zum Beispiel Tattoos) liegen.

Der Wille zum eigenen Ich wird in diesem Alter sehr stark, sodass die Eltern immer häufiger kritisiert werden. Obwohl die Kinder sich deutlich distanzieren, ist die Bindung zu den Eltern jedoch noch sehr stark. Auch wenn es scheint, als stünden die Gleichaltrigen im Vordergrund - die Eltern sind immer noch das ausschlaggebende Vorbild.

Wie verändert sich das Verhältnis zu den Eltern?

Die Bindung zu den Eltern wird gelockert und erweitert. Die Eltern werden mit mehr Sachlichkeit und kritischer Distanz betrachtet.

Die Kinder erwarten dieselbe Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, die von ihnen erwartet wird. Sie verfügen über eine scharfe Beobachtungsgabe: Sie sind von den Eltern enttäuscht, wenn diese sich nicht korrekt verhalten (zum Beispiel schwindeln).

Innerhalb der Familie geht es stärker um ein Miteinander. Schön wäre ein partnerschaftliches Verhältnis. Das heißt, die Eltern sagen, was sie denken, was ihnen nicht gefällt - und lassen dem Kind ebenfalls diesen Raum.

Zu viele Verbote schaffen keine Verständigung. Besser ist es, Grenzen, die gezogen werden müssen, zu erklären.