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Schreien

Babys schreien. Man kann sagen: Gott sei Dank! Wie sonst sollen sie anzeigen, dass sie Hunger, Durst, Schmerzen haben? Wie sonst sollen sie deutlich machen, dass das Licht zu grell, die Windel nass, der Lärm zu groß ist? Dass sie sich langweilen, mit sich selbst unzufrieden, müde sind?

Babys schreien. Und das nicht wenig in den ersten Monaten ihres Lebens. Bei Neugeborenen können das im Allgemeinen eineinhalb bis zwei Stunden täglich sein. Etwas weniger, bis zu einer Stunde, wird es gewöhnlich zwischen dem vierten und zwölften Monat. Das sind Zahlen. Sie sagen nichts darüber aus, wie ausdauernd Ihr Kind schreit. Sie zeigen nur in etwa, wann ein Babyschreien über ein durchschnittliches Maß hinausgeht.

Babys schreien. Nicht, weil sie die Eltern ärgern wollen! Babys schreien, weil sie sich mitteilen wollen oder weil sie Hilfe brauchen. Es ist Ausdruck dafür, dass sie sich unwohl fühlen. Und es ist eine Aufforderung an die Eltern, dieses Unwohlsein abzustellen. Das können sie allerdings nur dann, wenn sie wissen, warum ihr Baby schreit.

Das ist in der ersten Zeit noch nicht leicht zu erkennen. Denn die Schreirufe eines Babys hören sich zu Beginn seines Lebens noch ziemlich ähnlich an. Es gibt keine Unterschiede in der Tonlage. Die entwickeln sich erst allmählich. Eltern werden aber schnell Schrei-Experten. Meistens unterscheiden sie bereits nach wenigen Wochen, ob ihr Kind schreit, weil es Hunger hat, die Windel nass oder es einfach müde ist.

Zur Quälerei für die Eltern kann ausdauerndes Babygeschrei werden. Vor allem, wenn sie keinen Grund dafür erkennen können. Das ist für sie besonders schwer auszuhalten. Sie möchten ihrem Kind ja dabei helfen, dass es sich wohlfühlt. Das können sie aber nur, wenn sie wissen, warum es schreit.

Beraten Sie sich in einer solchen Situation rechtzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bevor Sie mit Ihren Nerven am Ende sind. Denn Babygeschrei geht durch Mark und Bein. Das hält niemand endlos aus. Helfen Sie sich und Ihrem Kind, indem Sie sich Rat und Hilfe holen, zum Beispiel bei einer Beratungsstelle für Eltern mit Schreibabys.

Woran erkennt man, warum ein Baby schreit?
Soll man das Baby schreien lassen?
Wie lässt sich ein schreiendes Baby beruhigen?

Woran erkennt man, warum ein Baby schreit?

Nach einigen Wochen werden Sie im Allgemeinen gelernt haben, das Schreien Ihres Babys zu deuten.

Sie werden wissen, dass es Hunger hat, wenn es gleichzeitig an einem Finger oder auch seinem ganzen Fäustchen nuckelt. Je länger Ihr Baby auf die Brust oder das Fläschchen warten muss, umso heftiger kann sein Geschrei werden. Muttermilch wird gewöhnlich schneller als Flaschenmilch verdaut. Das heißt, dass gestillte Babys auch schneller wieder Hunger haben. Die Abstände zwischen den Mahlzeiten sind kürzer. Stillen Sie Ihr Baby, schreit es vielleicht alle zwei, drei Stunden. Während das mit Flaschenmilch ernährte Baby Ihrer Freunde möglicherweise nur alle vier Stunden Hunger hat.

Wie alle Babys möchte auch Ihres herumgetragen, auf den Arm genommen werden. Es sucht und braucht den Hautkontakt zu seinen Eltern. Deswegen kann es auch passieren, dass Ihr Baby sofort schreit, wenn Sie es in sein Bettchen legen. Obwohl es in Ihren Armen bereits eingeschlafen war. Lassen Sie es nicht schreiend allein. Versuchen Sie, es durch Streicheln wieder zu beruhigen. Dadurch spürt es weiter Ihre körperliche Nähe, auf die es in dem Moment angewiesen ist.

Die meisten Babys bekommen irgendwann einmal einen wunden Po . Den spüren sie häufig erst, wenn die Windel nass ist. Dann aber schreien sie, denn das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch wehtun. Wickeln Sie Ihr Kind also häufig, wenn es einen wunden Po hat. Es kann sogar nötig werden, dass Sie Stoffwindeln benutzen, bis er wieder geheilt ist.

Ein Baby schreit auch, wenn es saugen möchte. Das Saugbedürfnis an sich ist bei verschiedenen Kindern unterschiedlich ausgeprägt. Alle aber entspannen sich sofort, wenn sie an einem Schnuller oder kurz an der Brust saugen können.

Es kann sein, dass die Ereignisse des Tages Ihr Baby überdreht und aufgeregt haben. Dann strampelt es nicht nur. Es schreit durchdringend. In seiner Erregtheit kann es nämlich trotz großer Müdigkeit nicht einschlafen. Möglicherweise hilft es ihm nicht einmal, wenn Sie es in Ihren Armen hin- und hertragen. Es ist einfach übermüdet . Sie können versuchen, es in sein Bettchen zu legen und abzuwarten. Vielleicht entspannt es sich allmählich in der beruhigenden Atmosphäre seines Zimmers. Grundsätzlich aber sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Baby vor seinen Schlafenszeiten keinen aufregenden Reizen ausgesetzt ist.

Sehr helles Licht oder plötzliche, laute Geräusche können, gerade noch in den ersten Lebenswochen, Ihr Baby sehr erschrecken. Dann schreit es los und wird sich erst beruhigen, wenn Sie es tröstend in den Arm nehmen.

Schreit Ihr Baby im Schlaf, müssen Sie vielleicht nur seine Lage verändern. Dann schläft es sofort ruhig weiter.

Bauchschmerzen können eine weitere Ursache dafür sein, dass Ihr Baby schreit. In dieser Situation kann dies über einen längeren Zeitraum (manchmal zwei, drei Stunden) anhalten. Der Unterbauch fühlt sich hart und prall an. Blähungen verursachen Ihrem Kind Schmerzen. Fencheltee kann helfen. Vielleicht schläft Ihr Baby aber auch ein, wenn es sich in Ihren Armen ausschreien durfte. Das kann niemand allzu häufig durchstehen. Das Geschrei zehrt an den Nerven. Beraten Sie sich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie Ihrem Kind, und damit auch sich, helfen können.

Falls Ihr Baby ohne erkennbaren Grund stundenlang schreit, sich nicht beruhigen lässt, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle für Eltern mit Schreibabys. Die gibt es in vielen Städten. Dort wird Ihnen gezielt geholfen.

Soll man das Baby schreien lassen?

Wenn Ihr Baby schreit, kann Sie das manchmal zur Verzweiflung bringen. Egal was Sie tun, es lässt sich nicht beruhigen. So werden Sie selbst immer ungeduldiger - bis hin zur Wut. Am liebsten würden Sie das schreiende Baby irgendwo abstellen, wo Sie es nicht mehr hören müssen. Oder noch besser, rausrennen aus der Wohnung. Nur nicht mehr dem Geschrei ausgesetzt sein.

Solche Wünsche sind verständlich, aber keine Lösung. Eltern haben ein Recht dazu, nicht mehr zu können. Und Sie haben ein Recht auf Ruhe. Das muss nicht zu einem schlechten Gewissen führen. Aber Sie müssen sich überlegen, wie Sie sich und Ihrem Kind helfen können.

Im Allgemeinen schreit ein Baby, weil es getröstet werden will, weil es Hilfe braucht. Gerade dann braucht es ja die Geborgenheit und Nähe anderer Menschen. Auch wenn immer noch dieser Ratschlag erteilt wird, ein Baby sollte nicht allein gelassen werden, wenn es schreit. Wenn Sie Ihr Baby lange schreiend allein lassen, werden nicht seine Lungen gestärkt, es lernt stattdessen, dass die Menschen, die es braucht, nicht da sind.

Das heißt nun nicht, dass es immer die Mutter, der Vater, die Eltern sein müssen, die Ihr Kind trösten. Drücken Sie Ihr schreiendes Baby ruhig immer wieder einmal Großeltern, Freunden, gut bekannten Nachbarn in den Arm. Wenn Sie für eine gewisse Zeit Luft holen konnten, werden Sie merken, dass sich Ihre Ungeduld, Ihr Zorn in Nichts aufgelöst haben. Sie freuen sich wieder über Ihr Kind, wenn Sie es nach zwei Stunden Alleinsein wieder sehen.

Wie lässt sich ein schreiendes Baby beruhigen?

In bestimmten Situationen ist es sehr einfach, ein schreiendes Baby zu beruhigen. Meistens wird ein Baby ja ruhig, wenn man seine Grundbedürfnisse befriedigt.

Hunger und Durst kann problemlos abgeholfen werden, indem man das Baby füttert. Nasse Windeln lassen sich wechseln. Wenn Sie Ihr Baby hochnehmen, es hin- und hertragen, hört es vielleicht nicht sofort auf zu schreien. Es spürt aber Ihre Nähe. Und das Gefühl, geborgen zu sein, wird es allmählich beruhigen.

Immer noch hat das Vorsingen eines Liedes eine tröstende Wirkung. Auch wenn Sie glauben, keine schöne Stimme zu haben. Singen Sie ein Wiegenlied und Sie werden sehen, wie Ihr Kind - das kann ganz plötzlich sein - aufhört zu schreien. Stattdessen guckt es Sie mit großen Augen an. Auch andere, sanfte Geräusche können Ihr Baby einlullen, sodass es immer ruhiger wird.

Schreit Ihr Baby, weil es übermüdet ist, hilft vielleicht auch längeres Herumtragen nicht. Legen Sie es dann in sein Bettchen, Bleiben Sie aber bei ihm. Streicheln Sie es, sodass es Ihre Körpernähe spürt. Manchmal wirkt es Wunder, wenn Eltern mit Ihrem Kind gemeinsam unter die Decke kriechen. Ihre Körperwärme gibt Ihrem Kind so viel an Wärme und Geborgenheit, dass es sofort aufhört zu schreien.