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Wiedereinstieg in den Beruf - Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Viele Familien und Alleinerziehende stehen vor der Aufgabe, Kindererziehung und Berufstätigkeit miteinander zu vereinbaren. Wie es gelingt, aktives Elternsein, verantwortungsvolle Kindererziehung und den Beruf gut zusammen zu bringen, ist abhängig von der individuellen Situation der Erziehenden, der Arbeitsmarktsituation, den Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung und der Kinderbetreuung. Finanzielle Notwendigkeit, Interessen der Eltern und die Bedürfnisse der Kinder müssen aufeinander abgestimmt werden, um den geeigneten Weg für die eigene Familie zu finden.

Wie sind Familie und Beruf am besten zu vereinbaren?
Was ist am besten für mein Kind?
Wer kümmert sich um die Kinder?
Wie bereite ich mich und meine Familie am besten vor?
Was bedeutet das für mein Kind?
Wann, wie viel und wie soll ich (wieder) arbeiten?
Wie kläre ich das mit meinem Arbeitgeber?
Wie schaffe ich den beruflichen Anschluss oder Neubeginn?
Was tun, wenn es nun Probleme gibt?

Wie sind Familie und Beruf am besten zu vereinbaren?

Zunächst einmal muss ganz deutlich festgestellt werden: Es gibt keine Pauschalantwort auf die Frage, wer neben der Kinderbetreuung wann wie viel arbeiten muss, kann, soll. Wann und wie immer Sie sich dafür entscheiden, Familie und Beruf zu vereinbaren bzw. mit welcher Situation auch immer Sie zurechtkommen müssen, achten Sie darauf, dass sich alle Familienmitglieder – also auch Sie selbst – dabei möglichst wohl fühlen. Überlegen Sie, was Ihnen wie wichtig ist.

Es gibt viele gute Gründe, arbeiten zu gehen: Sie brauchen das Einkommen für den Familienunterhalt, Sie müssen oder wollen auf eigenen Beinen stehen. Die Berufstätigkeit macht auch finanziell unabhängig im Alter (eigene Altersvorsorge) oder bei einer Trennung (eigene soziale Absicherung, Krankenkasse, Arbeitslosengeld). Je kürzer man vom Arbeitsplatz weg war, umso leichter findet man den Anschluss. Auch einmal errungene Positionen auf der Karriereleiter können besser verteidigt werden. Die Berufstätigkeit bedeutet für viele Eltern auch eine willkommene Abwechslung zu Hausarbeit und Kindererziehung, die häufig mit mehr Anerkennung und Lob verbunden ist, als der Alltag zu Hause.

Es spricht aber auch einiges dafür, zu Hause zu bleiben: Sie haben sich mit Ihrem Partner auf die klassische Form der Arbeitsteilung geeinigt: Einer verdient das Geld, der andere kümmert sich um das Kind. Sie sind davon überzeugt, dass Ihre Arbeit daheim genauso wichtig ist wie das, was Sie in Ihrem Berufsleben erledigen. Sie finden, dass Sie Ihr Kind am liebsten selber betreuen. Und das vielleicht häufigste Argument: Sie fühlen, dass Ihr Kind Sie braucht.

Lassen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung: Beobachten Sie Ihr Kind. Hören Sie in sich hinein. Reden Sie mit Ihrem Partner ausführlich über Ihre und seine Wünsche. Finden Sie partnerschaftlich gemeinsame Lösungen – auch jenseits aller Rollenklischees. Sie können mit dem gleichen guten Gewissen arbeiten gehen oder zu Hause bleiben. Jede Entscheidung hat nur andere Auswirkungen.

Was ist am besten für mein Kind?

Zunächst ist klarzustellen: Es gibt keine Studie, die beweist, dass die Mutter beim Kind daheim bleiben muss. Sowohl Kinder von erwerbstätigen als auch von nicht erwerbstätigen Müttern können zufriedene und glückliche Erwachsene werden. Wichtig ist vielmehr, dass sich Ihr Kind sicher und geborgen fühlt, seine Welt Ordnung und Regelmäßigkeit hat und seine Hauptbezugspersonen ausreichend Zeit mit ihm verbringen. Daher sollten Sie als Eltern - unabhängig von der Frage der Berufstätigkeit - viel Zeit mit Ihrem Kind verbringen, um eine sichere Beziehung zu Ihnen entwickeln zu können (Bindung). Dies gilt ausdrücklich auch für Väter. Denn Untersuchungen haben gezeigt: Babys entwickeln sich besser, wenn sie auch vom Vater aktiv versorgt werden.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie nicht arbeiten gehen sollten. Vielmehr ist durchaus auch eine Kindertagesbetreuung denkbar. Dabei sollten Sie – falls Sie sich dafür entscheiden - einige Dinge beachten:

  • Für Babys ist es besonders wichtig, dass die Anzahl der Bezugspersonen auf möglichst wenige, verlässliche begrenzt wird. Je jünger das Kind ist, umso wichtiger ist dieser Punkt. Mehrfach wechselnde Betreuungspersonen sind daher eher ungünstig. Im ersten Lebensjahr werden grundlegende Erfahrungen gesammelt und das Urvertrauen aufgebaut (Bindung). Kleine Kinder brauchen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, um eine feste, tragfähige Beziehung zu den Eltern und anderen Bezugspersonen aufbauen zu können.
  • Wenn Sie Ihr Kind mehr als zehn Stunden in der Woche von einer fremden Person betreuen lassen wollen, dann sollte Ihr Kind zu dieser Betreuungsperson eine echte Beziehung haben. Das bedeutet, dass Ihr Kind mit dieser Betreuungsperson bereits viel Zeit verbracht haben sollte. Das Kind braucht diese Zeit, sich auf die fremden Personen und die neue Situation einzustellen. Bedenken Sie, dass für Kinder eine Eingewöhnungszeit von sechs bis acht Wochen hilfreich wäre.
  • Im Idealfall hat Ihr Kind schon in den ersten sechs Monaten die Möglichkeit gehabt, diese Betreuungsperson besser kennen zu lernen. Denn zwischen dem sechsten und 18. Monat haben Babys Angst, sich von den Eltern zu trennen – sie fremdeln. Daher ist es in dieser Zeit für sie schwieriger, Vertrauen zu einer neuen Bezugsperson aufzubauen.
  • Erst mit ungefähr acht Monaten beginnt Ihr Kind zu begreifen, dass eine Person, die nicht anwesend ist, deswegen nicht völlig verschwunden sein muss. Da Ihr Kind das erst langsam lernt, kann es besser damit umgehen, wenn Sie nur wenige Stunden weg sind. Für Ihr Kind ist es einfacher, wenn Sie an fünf Tagen jeweils drei Stunden arbeiten, als wenn Sie an zwei Tagen voll arbeiten.

Wer kümmert sich um die Kinder?

Eltern brauchen eine verlässliche und gut funktionierende Kinderbetreuung, um motiviert und engagiert arbeiten gehen zu können. Sie wollen ihr Kind in guten Händen wissen, das Kind soll sich wohl und geborgen fühlen. Flexibilität, Verfügbarkeit, Kosten und Qualität der Betreuung spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl der geeigneten Betreuung.

So ist zum Beispiel denkbar, dass sich die Eltern bei der Betreuung abwechseln. Vielleicht können sich auch die Großeltern um die Kinder kümmern. Trotzdem brauchen Sie für Notfälle Freunde, Familie oder andere Personen, die einspringen können.

Im Regelfall wird jedoch eine Betreuung durch eine Tagesmutter, eine Kinderkrippe (oder später einem Kindergarten bzw. einem Hort) in Frage kommen. Informieren Sie sich über Betreuungsangebote in Ihrer Nähe beim Jugendamt.

Wie bereite ich mich und meine Familie am besten vor?

Ihre Entscheidung hinsichtlich Ihrer persönlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat möglicherweise größere Bedenken bzw. Veränderung für alle Beteiligten zur Folge - für Kinder und Eltern. Reden Sie daher frühzeitig mit dem Partner oder einer Vertrauensperson auch über Fragen und Befürchtungen, wie zum Beispiel die Angst vor der Überforderung durch die Doppelbelastung oder die möglichen Reaktionen Ihres Kindes.

Wichtig ist auch, über die anstehende neue Situation gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern (je nach Alter) zu sprechen: über die Gründe, Vorteile, aber auch über die notwendigen Veränderungen. Fragen Sie die Kinder nach ihrer Meinung, nach ihren Gefühlen und nehmen Sie sie ernst. Auch wenn Kinder in diesem Fall nicht mit entscheiden, sollten sie -soweit wie möglich - einbezogen und vorbereitet werden.

Ebenfalls von Bedeutung: Sprechen Sie den künftigen Zeitplan ab, klären Sie die Zuständigkeiten im alltäglichen Ablauf: Wer bringt wann die Kinder in den Kindergarten? Wer erledigt den Einkauf? Wer kocht wann? Wo können ältere Kinder mithelfen?

Was bedeutet das für mein Kind?

Wie stark Ihre Vereinbarkeit von Familie und Beruf Ihr Kind betrifft, hängt maßgeblich von der individuellen Situation ab: Wie arbeiten die Eltern? Sind ein oder mehrere Kinder zu versorgen? Welches Alter haben die Kinder? Hat ein Kind einen besonderen Förderbedarf oder ist möglicherweise ein Kind mit Behinderung zu betreuen?

Jede neue Situation bedeutet zunächst Verunsicherung, auch für ältere Kinder oder Kinder, die eine fremde Betreuung bereits gewöhnt sind. Manche reagieren ängstlich, ziehen sich zurück, andere wiederum werden wütend oder bockig. Einige „streiken“, wenn es zur Tagesmutter, in den Kindergarten oder um mehr Mithilfe im Haushalt geht. Andere verhalten sich abweisend gegenüber der Mutter / den Eltern oder klammern wieder stärker. Nehmen Sie ihr Kind und seine Gefühle ernst, zeigen Sie Verständnis für seine Situation und reden Sie mit ihm darüber. Sollten Sie allerdings die „Grundregeln“ für eine funktionierende Kindertagesbetreuung erfüllt sowie das Kind in die Entscheidungsfindung miteinbezogen haben, sollten diese Symptome nur von kurzer Dauer sein.

Überprüfen Sie aber auch hin und wieder Ihren eigenen Standpunkt, Ihre Entscheidung: Vertrauen Sie der neuen Tagesmutter? Fühlen Sie sich mit der Situation in der Kinderkrippe wohl? Können Sie ihr Kind loslassen? Haben Sie ein schlechtes Gewissen dem Kind gegenüber? Je selbstbewusster Sie hinter Ihren Entscheidungen stehen, desto klarer vertreten Sie diese bewusst und unbewusst gegenüber anderen.

Wann, wie viel und wie soll ich (wieder) arbeiten?

Sollten Sie sich entschieden haben, (wieder) arbeiten zu gehen, gibt es auch hinsichtlich der Frage, wann, wie viel und wie sie arbeiten sollen, keine Pauschalantwort. Achten Sie auch hier darauf, dass sich alle Familienmitglieder – also auch Sie selbst – dabei möglichst wohl fühlen. Überlegen Sie, was Ihnen wie wichtig ist.

Grundsätzlich kann ein Vater jederzeit, eine Mutter nach Ablauf der Mutterschutzfrist (wieder) arbeiten gehen. Allerdings sollten Sie bei der Frage des (Wieder-)einstiegs in den Beruf die finanziellen Möglichkeiten des Elterngeldes bzw. des Landeserziehungsgeldes bedenken. Selbiges gilt für die Freistellungsmöglichkeit von Ihrer bisherigen Arbeit im Rahmen der Elternzeit.

Überlegen Sie sich auch, in welchem Umfang und zu welchen Zeiten sie arbeiten wollen, können und müssen. Beziehen Sie den Tagesablauf und Gewohnheiten Ihres Kindes und der Familie - so weit wie möglich - mit ein. Welche Zeiten können gut durch Kindergarten, Krippe, Tagesmutter, den anderen Elternteil, Großeltern und Freunde abgedeckt werden?

Bestimmt auch der finanzielle Druck den Stundenumfang? Sowohl auf kommunaler als auch auf staatlicher Ebene gibt es eine ganze Reihe von finanziellen Hilfen für Familien.

Wie kläre ich das mit meinem Arbeitgeber?

Zunächst sollten Sie möglichst frühzeitig mit Ihrem Arbeitgeber klären, für welche Zeiten Elternzeit genommen werden soll.

Erkundigen Sie sich auch nach den Möglichkeiten für Teilzeitarbeit. Sie haben grundsätzlich einen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit, wenn Ihre Firma mehr als 15 Beschäftigte hat.

Aber auch Gleitzeit, Arbeitszeitkonten (Sammeln von Plus- und Minus-Stunden in vereinbartem Umfang), Arbeitsplatzteilung (job-sharing) und Telearbeitsplätzen (Arbeitsplatz zu Hause) können die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.

Aber selbst wenn Sie in der Elternzeit nicht arbeiten sollten, ist es sinnvoll, während der Familienphase Kontakt zu Ihrer Firma zu halten und an Fortbildungen teilzunehmen.

Werden Sie selbst aktiv. Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Arbeitgeber/Ihrer Arbeitgeberin, um Klarheit zu haben Viele Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen unterstützen durchaus ernsthaft die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Wie schaffe ich den beruflichen Anschluss oder Neubeginn?

Während oder nach der Elternzeit kann auch eine berufliche Neuorientierung anstehen. Entweder eine notwendige Veränderung, weil sich manche beruflichen Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, Reisetätigkeit, Gefährliche Arbeit) nur schwer mit Kind und Familie vereinbaren lassen. Oder aber eine freiwillige Neuorientierung, weil der bisherige Beruf keine Freude mehr macht, man nicht mehr in die alte Firma zurück will oder eine neue Herausforderung sucht. Neben einer neuen Arbeit sind aber auch ein Mini-Job oder eine freiberufliche Tätigkeit denkbar. Weitere Informationen gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

Informieren Sie sich über die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, zum Beispiel in den Stellenanzeigen der Zeitung, bei den so genannten "Selbstinformationseinrichtungen" der lokalen Agenturen für Arbeit (BIZ) oder in den Jobbörsen im Internet. Auch eigene Netzwerke sind sehr wichtig: tun Sie im Freundes- und Bekanntenkreis kund, dass und was Sie suchen. Nutzen Sie die Beratungsangebote in Ihrer Nähe. Die Agentur für Arbeit vor Ort und andere Beratungsstellen bieten auch Hilfe bei der Bewerbung.

Je länger Sie nicht berufstätig sind, umso schwerer wird der Wiedereinstieg. Da ist zum einen die eigene Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen. Kann ich das (noch), was an meinem Arbeitsplatz verlangt wird? Zum anderen sind die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt rasant, vor allem technische Anforderungen (Computer, Internet) steigen ständig.

Die Agentur für Arbeit fördert die berufliche Weiterbildung, wenn Sie dadurch leichter eine neue Anstellung finden. Dort bekommen Sie auch Kontakt zu den Projekten im Rahmen des Programms „Perspektive Wiedereinstieg“ in Ihrer Nähe, die vielfältige Hilfe bei der Orientierung, Bewerbung und Fortbildung anbieten. „Perspektive Wiedereinstieg“ ist ein Programm des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit und bietet auch ein ausführliches Internetportal.

Nutzen Sie aber auch Ihre persönlichen Kontakte im Familien- und Freundeskreis, andere Kindergarteneltern oder (ehemalige) Kolleginnen und Kollegen um sich zu informieren, wie andere den beruflichen Wiedereinstieg angegangen sind und geschafft haben.

Was tun, wenn es nun Probleme gibt?

Die erste Freude über die Abwechslung, finanzielle Unabhängigkeit und Anerkennung verfliegt schnell angesichts mancher Probleme. Auch Zweifel darüber, ob es die richtige Entscheidung war, wieder berufstätig zu werden, sind ganz normal. Dasselbe gilt für das zeitweise Gefühl der Überforderung.

Aller Anfang ist schwer: geben Sie sich und Ihrer Familie Zeit, sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. Erwarten Sie nicht, dass alles sofort funktioniert: der reibungslose Ablauf von Holen und Bringen der Kinder, die Verteilung der Hausarbeit und vieles mehr. Mit der Zeit und etwas Geduld bekommen Sie Routine in die neue Organisation Ihres Alltags. Manches muss vielleicht nach einer Erprobungsphase noch einmal überdacht und verändert werden.

Sprechen Sie über Ihre Schwierigkeiten mit Kolleginnen oder mit Freunden in ähnlichen Situationen. Sie werden sehen, die anderen kennen diese Probleme auch: den Stress, die Angst, im Job nicht genug Leistung zu bringen oder das Gefühl, der Familie nicht gerecht zu werden.

Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich mit Ihren Kindern. Suchen Sie nach Aktivitäten für Freizeit und Erholung, die jedes Familienmitglied einbeziehen. Reden Sie offen und ehrlich miteinander und suchen Sie gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten.